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Mittwoch, 23. September 2026 Alles rund ums Fahrrad — Technik, Recht und Reisen

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Sicherheit 3 Min. Lesezeit

Was der Fahrradklima-Test misst – und was nicht

Kurz gefasst Die grösste Befragung zum Radfahren in Deutschland liefert Schulnoten für hunderte Städte. Ihre Ergebnisse werden gern zitiert und regelmässig überinterpretiert. Eine Einordnung.
Autor
Sebastian Heldt
Veröffentlicht
Zuletzt geprüft
Lesezeit
3 Minuten
Ressort
Fahrradsicherheit und Unfallprävention
Quellen
keine angegeben
Hand mit Klemmbrett und einem Bewertungsbogen mit Smileys und Sternen; im Hintergrund Radfahrende auf einem Radfahrstreifen einer Hauptstrasse
Der Fahrradklima-Test misst, wie sich Radfahren anfühlt — nicht, wie sicher es ist. Bild: Symbolbild (KI-generiert) · FahrradBlick

Alle zwei Jahre erscheint eine Rangliste, die es in die Lokalzeitungen jeder mittelgrossen Stadt schafft: der Fahrradklima-Test des ADFC. Zehntausende Menschen bewerten die Bedingungen in ihrer Stadt, und am Ende steht eine Schulnote.

Die Zahlen sind wertvoll. Sie sind nur etwas anderes, als viele meinen.

Was tatsächlich erhoben wird

Der Test ist eine Befragung. Teilnehmende beantworten eine Reihe von Fragen zu ihrer Stadt — zum Sicherheitsgefühl, zum Komfort, zur Breite der Wege, zur Führung an Baustellen, zum Winterdienst, zum Abstellen, zur Erreichbarkeit des Stadtzentrums.

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Gemessen wird also die Wahrnehmung derjenigen, die teilgenommen haben. Nicht die Unfallzahlen, nicht die Kilometer Radweg, nicht das Budget. Das ist keine Schwäche, sondern der Zweck: Ob Menschen sich sicher fühlen, entscheidet darüber, ob sie fahren — und diese Grösse steht in keiner Statistik.

Die Selbstselektion

Der wichtigste methodische Punkt: Es nimmt teil, wer will. Das sind überwiegend Menschen, die ohnehin Rad fahren und sich für das Thema interessieren — häufig über Verbände, Initiativen und lokale Medien mobilisiert.

Daraus folgen zwei Verzerrungen. Erstens fehlen die Stimmen derjenigen, die nicht fahren, weil es ihnen zu gefährlich ist — also genau der Gruppe, deren Urteil verkehrspolitisch am aussagekräftigsten wäre. Zweitens hängt die Teilnehmerzahl an der lokalen Mobilisierung; eine Stadt mit aktiver Radszene bekommt mehr Rückmeldungen als eine ohne.

Der ADFC arbeitet mit Mindestteilnehmerzahlen, damit kleine Städte nicht durch wenige Stimmen ausschlagen. Die grundsätzliche Verzerrung bleibt.

Warum der Vergleich zwischen Städten hinkt

Bewertet wird die eigene Stadt, nicht der Vergleich mit anderen. Wer in einer Stadt lebt, in der sich in vier Jahren viel verbessert hat, bewertet anders als jemand, der eine seit Jahrzehnten unveränderte Situation kennt — auch wenn die tatsächlichen Bedingungen ähnlich sind.

Dazu kommt der Effekt steigender Erwartungen. Städte, die viel gebaut haben, verschlechtern sich gelegentlich in der Note, weil das Anspruchsniveau der Befragten schneller steigt als die Infrastruktur. Das ist kein Fehler der Methode, aber es macht die Rangliste als Leistungsvergleich unbrauchbar.

Sinnvoll ist stattdessen der Blick auf die Zeitreihe einer einzelnen Stadt und auf die Einzelfragen. Ob sich die Bewertung des Winterdienstes über drei Erhebungen verbessert hat, sagt mehr als der Platz in der Gesamtwertung.

Was die Ergebnisse verlässlich zeigen

Über alle Erhebungen hinweg sind einige Muster stabil, und sie sind aussagekräftiger als jede Einzelnote.

Erstens: Das Sicherheitsgefühl wird durchgängig schlechter bewertet als alles andere. Konflikte mit dem Kraftverkehr, zu enge Überholvorgänge und Falschparken auf Radwegen stehen regelmässig ganz unten.

Zweitens: Kleinere Städte schneiden im Schnitt besser ab als Grossstädte — was weniger über die Qualität der Anlagen aussagt als über die Verkehrsmenge.

Drittens: Die Bewertung des Radverkehrs in Baustellen und die Führung an Umleitungen liegt fast überall am unteren Ende. Das ist ein Befund, der sich mit vergleichsweise wenig Geld ändern liesse — und der deshalb bemerkenswert hartnäckig ist.

Wie eine Stadt damit umgehen sollte

Nicht als Ranking, sondern als Diagnose. Die interessanten Informationen stecken nicht in der Gesamtnote, sondern in den Fragen, bei denen eine Stadt deutlich schlechter abschneidet als vergleichbare — und in denen, bei denen sie sich verschlechtert hat.

Der ADFC stellt die Detailauswertungen den Kommunen zur Verfügung. Ob sie gelesen werden, ist eine andere Frage; in vielen Fällen bleibt es bei der Pressemitteilung zum Platz.

Und was er nicht ersetzt

Objektive Daten. Unfallzahlen aus der amtlichen Statistik, Zählstellen mit Dauerbetrieb, Netzanalysen, Erreichbarkeitsberechnungen — all das misst andere Dinge und gehört daneben.

Wer ernsthaft wissen will, wie es um den Radverkehr einer Stadt steht, braucht beides: die Zahlen, die zeigen, was passiert, und die Befragung, die zeigt, wie es sich anfühlt. Erst zusammen ergeben sie ein Bild.

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