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Die Kette im Sommer: Staub ist schlimmer als Regen
- Autor
- Sebastian Heldt
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- Wartung und Pflege
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- keine angegeben
Die verbreitete Vorstellung, Regen sei der Feind der Kette, stimmt nur halb. Wasser wäscht Schmierstoff aus und begünstigt Rost, das ist richtig. Aber es transportiert kaum Material. Staub tut genau das: Er ist ein Schleifmittel, und wenn er sich mit Öl verbindet, entsteht eine Paste, die zwischen Rolle und Bolzen arbeitet wie Schmirgelpapier.
Deshalb verschleisst ein Antrieb in einem trockenen, staubigen Sommer oft schneller als in einem nassen Herbst — vorausgesetzt, im Herbst wird die Kette gereinigt und im Sommer nicht.
Warum zu viel Öl schadet
Öl gehört zwischen die Glieder, nicht auf sie. Die Reibstellen einer Kette liegen innen: zwischen Bolzen, Hülse und Rolle. Was aussen auf den Laschen liegt, schmiert nichts und bindet Staub.
Richtig ist deshalb: Ein Tropfen je Rolle, aufgetragen bei langsam rückwärts gedrehter Kurbel, dann eine oder zwei Minuten einziehen lassen — und anschliessend alles abwischen, was aussen noch glänzt. Eine gut geölte Kette sieht trocken aus. Eine, die schwarz glänzt und Fäden zieht, ist keine geölte Kette, sondern eine verklebte.
Trocken oder nass: die Wahl des Öls
Für staubige, trockene Verhältnisse eignen sich dünnflüssige Trockenschmierstoffe, oft auf Wachs- oder PTFE-Basis. Sie kriechen ein, das Lösungsmittel verdunstet, und zurück bleibt eine Schicht, an der Staub schlechter haftet. Sie halten dafür bei Nässe kaum eine Ausfahrt durch.
Nassschmierstoffe sind zäher, halten deutlich länger und sind bei Regen die bessere Wahl — aber sie sammeln in trockenem Staub genau die Paste, die den Verschleiss antreibt. Wer beides fährt, hat besser zwei Fläschchen als einen Kompromiss.
Kettenwachs im Tauchverfahren ist der sauberste, aber aufwendigste Weg: Die Kette wird entfettet, in geschmolzenes Wachs gelegt und trocknet danach. Der Antrieb bleibt bemerkenswert sauber, und die Standzeiten sind hoch. Der Preis ist Vorbereitungszeit und die Notwendigkeit, die Kette zum Nachwachsen abzunehmen.
Reinigen ohne die Lager auszuwaschen
Ein Hochdruckreiniger hat am Fahrrad nichts verloren. Er drückt Wasser in Naben, Tretlager und Steuersatz, wo es bleibt und langsam alles zerstört. Das gilt auch für den «schwachen» Strahl.
Für die Kette genügt eine Bürste und ein Lappen. Bei starker Verschmutzung hilft ein Kettenreiniger oder Petroleum, danach gut trocknen lassen, dann neu schmieren. Wer die Kette abnimmt, sollte sie an einem Kettenschloss trennen — häufiges Vernieten schwächt die Verbindung.
Nicht vergessen: Kassette und Kettenblätter. Eine frisch geölte Kette auf einer verschmutzten Kassette ist nach zehn Kilometern wieder dreckig. Zwischen die Ritzel passt ein Lappen, den man durchzieht wie beim Schuheputzen.
Verschleiss messen, nicht schätzen
Eine Kette längt sich mit der Zeit — genauer gesagt, das Spiel zwischen Bolzen und Hülse wächst. Ab etwa 0,5 Prozent Längung beginnt sie, die Ritzel und Kettenblätter zu verformen. Wer bis dahin wechselt, ersetzt nur die Kette. Wer wartet, ersetzt den ganzen Antrieb.
Gemessen wird mit einer Kettenlehre, die es für wenige Euro gibt. Sie wird in die Kette gelegt; fällt sie durch, ist die Grenze überschritten. Bei zwölffach-Antrieben liegt die Grenze niedriger als bei älteren Systemen, oft bei 0,5 statt 0,75 Prozent — die Ketten sind schmaler und empfindlicher.
Wer mehrere Ketten im Wechsel fährt und sie alle paar hundert Kilometer tauscht, verteilt den Verschleiss und verlängert die Lebensdauer der Kassette erheblich. Das ist mehr Aufwand, rechnet sich aber bei teuren Antrieben schnell.
Wie oft?
Es gibt keine Kilometerzahl, die für alle stimmt. Ein brauchbarer Anhalt: Wenn die Kette hörbar wird, ist es zu spät. Ein Antrieb, der bei gleichmässiger Fahrt schleift, klackt oder trocken rasselt, ruft nach Öl. Wer im Sommer regelmässig auf Schotter unterwegs ist, reinigt und schmiert eher alle zweihundert Kilometer als alle tausend.
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