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Radreise planen: Etappen, Gepäck und der ehrliche Kilometer
- Autor
- Sebastian Heldt
- Veröffentlicht
- Zuletzt geprüft
- Lesezeit
- 4 Minuten
- Ressort
- Fahrradreisen und Abenteuer
- Quellen
- keine angegeben
Wer zum ersten Mal mehrere Tage am Stück fährt, plant fast immer zu ambitioniert. Das liegt weniger an Selbstüberschätzung als an einem Rechenfehler: Man nimmt die Geschwindigkeit der Feierabendrunde und multipliziert sie mit der Zeit, die man fahren möchte. Beides stimmt für einen Tag. Für sieben stimmt es nicht.
Der ehrliche Kilometer
Eine beladene Reise ist etwas anderes als eine leichte Runde. Zwanzig Kilogramm Gepäck kosten am Berg spürbar Tempo, jede Pause dauert länger als geplant, und ab dem dritten Tag arbeitet die Ermüdung mit. Wer auf der Hausrunde zweiundzwanzig Stundenkilometer fährt, ist auf einer Reise mit Gepäck bei sechzehn bis achtzehn — und das ist keine schlechte Form, sondern die Regel.
Dazu kommt die Zeit, die nicht auf dem Tacho steht: Orientierung an unklaren Abzweigen, Einkauf, Wasserauffüllen, eine unerwartete Baustelle, eine Fähre mit Fahrplan. Als Anhalt hat sich bewährt, die reine Fahrzeit mit Faktor 1,4 zu multiplizieren, um die Tagesdauer zu erhalten.
Für die erste eigene Reise ist eine Tagesetappe zwischen sechzig und achtzig Kilometern in flachem Gelände realistisch. Im Mittelgebirge sind es eher fünfzig. Wer mehr will, sollte es vorher einmal an einem Wochenende ausprobiert haben — mit vollem Gepäck, nicht ohne.
Höhenmeter zählen doppelt
Die Kilometerzahl allein sagt wenig. Tausend Höhenmeter kosten eine ungefähr ähnliche Kraft wie dreissig zusätzliche flache Kilometer, bei Gepäck eher mehr. Wer eine Strecke plant, sollte deshalb immer das Höhenprofil ansehen und nicht nur die Distanz — vor allem, wo die Steigungen liegen. Fünfhundert Höhenmeter am Morgen sind eine andere Etappe als dieselben fünfhundert um sechzehn Uhr.
Gepäck: Gewicht nach unten, nach vorn und nach hinten verteilt
Ein hoch beladener Gepäckträger macht ein Rad kippelig, besonders beim Anfahren und bei Seitenwind. Schwere Dinge gehören deshalb möglichst tief und möglichst nah an die Radmitte. Wer vorn und hinten Taschen fährt, verteilt etwa im Verhältnis vierzig zu sechzig — vorn weniger, sonst wird die Lenkung teigig.
Der Rucksack ist die schlechteste Lösung. Er sitzt hoch, verändert den Schwerpunkt bei jeder Bewegung und drückt nach ein paar Stunden auf Schultern und Sitzknochen. Was am Rad transportiert werden kann, gehört ans Rad.
Beim Packen hilft eine unbequeme Regel: Alles auslegen, was mitsoll, und dann ein Drittel wieder wegräumen. Was zweimal gebraucht wird, kommt mit. Was «vielleicht» gebraucht wird, bleibt da. Kleidung lässt sich unterwegs waschen, Werkzeug nicht ersetzen.
Was wirklich in die Werkzeugtasche gehört
Zwei Ersatzschläuche, Flickzeug, Reifenheber, eine Pumpe, die zu den Ventilen passt. Ein Multitool mit den Schlüsselgrössen des eigenen Rades — nicht das grösste, sondern das passende. Kettenschloss und Kettennieter. Speichenschlüssel und zwei Ersatzspeichen, an den Rahmen geklebt. Kabelbinder, Klebeband, ein Stück Draht.
Wer elektrisch fährt, packt zusätzlich das Ladegerät und prüft vor der Abreise, ob es an den Steckdosen des Reiselandes funktioniert. Für die Ladeplanung gilt dasselbe wie für die Etappen: Der Akku hält am Berg deutlich weniger lange als in der Ebene.
Die Route vor der Reise, nicht während
Ein Navigationsgerät oder ein Telefon mit Offline-Karten nimmt viel Arbeit ab, ersetzt aber nicht den Blick auf die Strecke vorher. Radrouten führen nicht selten über Wege, die für ein beladenes Reiserad unpassend sind — grober Schotter, Treppen, Sandpassagen. Wer die Route vorher in der Kartenansicht durchgeht und an kritischen Stellen den Satellitenbildmodus einschaltet, spart sich unangenehme Überraschungen.
Und: Eine Papierkarte oder wenigstens ein Ausdruck der grossen Linie gehört ins Gepäck. Telefone gehen kaputt, werden nass, und Akkus sind am Abend leer.
Der Ruhetag ist Teil der Planung
Bei Reisen ab einer Woche gehört mindestens ein Tag ohne Etappe hinein. Nicht als Reserve für schlechtes Wetter — der ist zusätzlich —, sondern als fester Bestandteil. Wer ihn einplant, kommt erholt an. Wer ihn sich erst nimmt, wenn es nicht mehr geht, hat die Reise schon halb aufgegeben.
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